Kulturlandschaft Adelegg: Satzung der Bürgerstiftung zur Vorprüfung bei Regierung
Aus der Allgäuer Zeitung vom 09.11.2010
Von Silvia Reich-Recla
Weil sich der Staat immer mehr aus öffentlichen Aufgaben zurückzieht, bekommt bürgerschaftliches Engagement einen immer größeren Stellenwert. Überall gibt es mehr und mehr Bürgerstiftungen, sagte Oliver Post, Vorsitzender des Adelegg-Vereins, bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Buchenberg. Dort informierte er das Gremium über die geplante Kreuzthaler Bürgerstiftung »Kulturlandschaft Adelegg«. Die Stiftungssatzung liege bei der Regierung von Schwaben zur Vorprüfung. Post hofft auf eine Anerkennung im Frühjahr. Von den für eine Stiftung nötigen 50000 Euro seien bereits 40 000 eingegangen.
Wichtige Säulen der Kreuzthaler Bürgerstiftung sind laut Post nachhaltige Landwirtschaft sanfter, familienfreundlicher Tourismus Dorfladen Lernort Bauernhof.
Großes Ziel derzeit ist, einen landwirtschaftlichen Betrieb auf die Beine zu stellen: Einen Hof mit rund 100 Milchziegen und angegliederter Käserei. Das passende Grundstück sei gefunden und auch schon gekauft worden von der Unternehmerfamilie Simon aus Kempten (Dachser GmbH): Es soll später in die Stiftung einfließen. Auch die Vermarktung der Ziegenmilch sei schon gesichert, und zwar über das »von-hier«-Programm der Firma Feneberg.
Naturverträgliche Landwirtschaft
Stiftungszweck ist laut Post unter anderem eine »natur- und klimaverträgliche Landwirtschaft«. Schon Ende der 60er Jahre sei im Kreuzthal »eine Schwarzwaldisierung« beklagt worden. Die einst als Viehweiden genutzten Hänge wuchsen mehr und mehr zu. Auf Pensionsvieh stellten laut Post die Bauern deshalb um. Jetzt sei man wieder in einer schwierigen Situation. 2008 habe der Verein nun ein Konzept vorgelegt, um eine nachhaltige Landwirtschaft anzukurbeln. Diese soll unabhängig von staatlichen Zuschüssen gewinnbringend arbeiten können. Die Stiftung wird den Ziegenstall mit der Molkerei bauen und dann, mit gewissen Auflagen, an einen Betreiber verpachten. Der Betrieb muss sich einem biologischen Anbauverband anschließen.
Das Unternehmerrisiko bleibe beim Landwirt, sagte Post auf eine entsprechende Frage aus dem Gemeinderat. Der Wirtschaftsplan werde jährlich von der Regierung von Schwaben überprüft, außerdem werde ein umfassender Betriebsentwicklungsplan erarbeitet. Kurzum: »Der Bewirtschafter kann pleitegehen, die Stiftung nicht,« so Post. Er und seine Mitstreiter seien aber zuversichtlich, dass das Modell funktioniert.
Oliver Post und seine Frau, die im Kreuzthal eine kleine Landwirtschaft betreiben, wollen den geplanten Betrieb anstoßen. Es gebe aber einen jungen Buchenberger Agraringenieur, der den Ziegenhof dann professionell weiterführen will, so Post. Bürgermeister Toni Barth sieht die Bürgerstiftung »auf einem guten Weg«. Es sei eine umfangreiche Arbeit geleistet worden.
Die Bürgerstiftung »Kulturlandschaft Adelegg« will im Kreuzthal eine nachhaltige Landwirtschaft mittels eines Ziegenhofs ankurbeln. Die Milch soll über das »von-hier«-Programm in Feneberg-Läden angeboten werden. Die Satzung zur Bürgerstiftung wird derzeit bei der Regierung von Schwaben geprüft.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung