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| Beerdigt werden alle in Bayern | ||
| von SZ-Redakteurin Maria Anna Weixler-Schürger | ||
| Aus der Schwäbischen Zeitung vom 9. Mai 2001 | ||
"Kaasch dei Lebe lang im Württembergische lebe - wenn'd stirbsch, wirsch in Bayern beerdigt!" Karl Kolb bringt auf den Punkt, was die Besonderheit zwischen Eisenbach und Kreuzthal ausmacht, jenen zwei Orten, die so eng aneinanderkleben und doch durch eine Landesgrenze getrennt sind.
Die Kirche im Dorf, die dem heiligen Martin geweiht ist, und der Friedhof befinden sich auf bayerischem Gebiet, gehören zur Pfarrei Buchenberg. Die Schule und das Feuerwehrhaus stehen im bayerischen Teil, und auch das Vereinsleben ist mehrheitlich auf dieser Seite angesiedelt: Kirchenchor, Krieger- und Reservistenverein, Schützenverein und Motorsportclub sowie die Musikkapelle sind bayerisch.Ebenso das Schwimmbad, gespeist mit frischem Quellwasser aus der Eschach, die die Grenze zwischen Kreuzthal und Eisenbach markiert. Einzig Strom und Telefon kommen aus dem Württembergischen. Wie zwischen vielen Bayern und Württembergern gibt es in Kreuzthal und Eisenbach freilich auch so manche Frotzelei dem jeweils anderen gegenüber. Trotzdem aber werde etwa "fröhlich hin-und hergeheiratet", wie Karl Kolb zu berichten weiß, der seine Heimat Kreuzthal als Gemeinderat im kommunalen Parlament von Buchenberg vertritt. | ||
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Ebenso wie Erhard Pferdt, der Ortsvorsteher von Rohrdorf, wozu Eisenbach zählt, bestätigt Kolb zudem, dass von keinem im Doppeldorf, das ziemlich genau zwischen Buchenberg und Isny liegt ("nach Buchenberg sind es 12, nach Isny 15, im Sommer durch den Wald nur 13 Kilometer", so Kolb), die Grenze wirklich wahrgenommen würde. Ob Beerdigung oder Hochzeit, die Eisenbacher und Kreuzthaler meisterten alles in gleicher Eintracht. Unterschiede machen höchstens die anderen: Stirbt etwa ein Mitglied des Kriegervereins im Bayerischen, gibt es für die Musik einen Zuschuss von der Gemeinde dazu, stirbt einer im württembergischen Teil, dann nicht. | ||
Gefeiert oder Mahl gehalten werden muss bei größeren Familienanlässen allerdings ohnehin immer auf bayerischem Boden: die noch existierenden drei Wirtschaften befinden sich sämtlich in weiß-blauen Gefilden.Vom guten Miteinander im Dorf zeugen auch Georg Haider und Barbara Ziegler, die im Glasbläserhaus beim heutigen Haus Tanne in Eisenbach zur Welt kam und in Kreuzthal zur Schule ging. "Als Kind haben wir nie Unterschiede gemerkt, mussten auch noch keinen Gastschulantrag stellen wie heute. Wir waren eine gute Gemeinschaft, hatten ja sonst nicht viel, mussten also schon zusammenhalten", erinnert sich Ziegler. | ||
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Und Haider, ein gebürtiger Bayer und seit 35 Jahren Württemberger, kann sich auch nur einmal an das Vorhandensein der Grenze erinnern: "Kurz nach dem Krieg standen überall Wachhäusle, die auf dem Weg zur Schule passiert werden mussten." | ||
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An diese Zeit "nach dem Umsturz" und an die "Zonengrenze" kann sich auch Walli Schad aus dem Eisenbacher Weiler Blockwiesen noch gut erinnern. Damals sei zudem auch manches "rum und numgschmugglet wore". Noch immer habe sie im Dachboden ferner den Passierschein aufbewahrt, den man seinerzeit gebraucht habe, um in die Kirche oder "zum Hoie" zu kommen; zwei Drittel der Felder von Walli und Max Schad liegen schließlich in Bayern, die Hofstelle selbst auf württembergischem Gebiet. | ||
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Zum Einkaufen hätte dieser Schein freilich auch nichts genützt. "Es gab ja Lebensmittel nur auf Märkle, und die konnten wir nur in Rohrdorf einlösen, obwohl es zum Laden im bayrischen Teil unseres Dorf sehr viel näher gewesen wäre." | ||
Das Verhältnis von Württembergern und Bayern beschreiben aber auch Schads als gut. "Man erkennt sich gegenseitig voll an", obwohl es natürlich schon immer "a weng a Hickhack" gebe. "Aber i weiß it, zu wem ma do mehr helfe mueß", sagt Walli Schad lachend.Eine nette Grenzgeschichte gibt es trotzdem aus der Zeit, als der (in Bayern stehende) Kirchturm ein neues Uhrwerk benötigte: Da eines seiner Zifferblätter ins Württembergische zeigt und auch die Eisenbacher in die Kreuzthaler Kirche gehen, hätte sich Isny an den Kosten fürs neue Uhrwerk beteiligen sollen. Der damalige Kämmerer aber habe daraufhin nur gesagt: "Dann lond se die Uhr auf der Seite, die zu uns zeigt, halt stande." | ||
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Geschäfte und Handwerksbetriebe gibt es überdies überhaupt nicht mehr im Eschach- und Kreuzthal, weder auf der einen, noch auf der anderen Seite, seit vor zwei Jahren auch der Bäcker und der Metzger ihre Läden geschlossen haben. | ||
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Ein Jahr zuvor hat ferner die einzige bis dato verbliebene Werkstatt, eine Schreinerei, den Betrieb aufgegeben, in dem rund 20 Einheimische Arbeit gefunden hatten. Heute fahren rund 70 Prozent aller Kreuzthaler und Eisenbacher zum Arbeiten nach Kempten, der Rest nach Leutkirch und Isny. | ||
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Damit einhergehend hätten leider auch die Einwohnerzahlen von Eisenbach (derzeit cirka 100) und Kreuzthal (rund 400) in den letzten Jahrzehnten stetig abgenommmen. "Obwohl auch wieder zunehmend Junge im Dorf bleiben, sogar wieder Häusle hier bauen", freut sich Gemeindevertreter Kolb. | ||
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Mit freundlicher Genehmigung des Verlags. | ||
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